Als erster Impfstoff in der Corona-Pandemie ist jener von BioNTech und Pfizer in Deutschland im Einsatz. Moderna wurde Anfang Januar 2021 von der EU zugelassen. Ende Januar erfolgte dann die Zulassung für den von AstraZeneca und der Universität Oxford entwickelten Impfstoff.

Bei beiden erstgenannten Impfstoffen handelt es sich um einen mRNA-Impfstoff. Sie nutzen Boten-Ribonukleinsäure, um eine Immunantwort im Körper hervorzurufen. Die mRNA (messengerRNA = Boten-Ribonukleinsäure) enthält die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Die Körperzellen bauen sich durch den Impfstoff ihre Virusabwehr selbst. Beide Impfstoffe erfordern zwei Impfungen, beim Biontech-Impfstoff im Abstand von drei Wochen, beim Moderna-Impfstoff im Abstand von vier Wochen.

mRNA-Impfstoffe sind keine Lebendimpfstoffe. Sie sind gut verträglich, haben wenige bis gar keine Nebenwirkungen und eine sehr hohe Wirksamkeit. Die mRNA im Impfstoff wird durch normale zelluläre Prozesse schnell abgebaut und gelangt nicht in den Zellkern.

Der Impfstoff von AstraZeneca ist ein sogenannter vektorbasierter Impfstoff. Dem Mittel von AstraZeneca hatte Großbritannien Ende 2020 als erstes Land der Welt eine Genehmigung erteilt.

Dr. Jörg Biastoch ist nicht nur Humanas-Chef, sondern auch promovierter Mediziner und hat in unseren Wohnparks auch Impfungen durchgeführt. Er antwortet auf die wichtigsten Fragen zur Corona-Impfung.

Ist die Impfung Pflicht für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Humanas?

Ganz klares Nein. Aus Arbeitgeber-Sicht wird dies auch immer so bleiben. Ob es jedoch zu einer gesetzlichen Impfpflicht kommt, kann ich nicht sagen.

Wie sicher ist der Impfstoff? 

Die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca sind in der EU zugelassen und erfüllen damit höchste Sicherheitsstandards. Auch das Paul-Ehrlich-Institut prüfte die Impfstoffe und zeigte keine Bedenken. Die Wissenschaftler müssen jede Charge eines Impfstoffes laut deutschem Arzneimittelgesetz prüfen.

Sollte ich mich nach überstandener Corona-Infektion impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts kann noch keine gültige Aussage dazu treffen. Nach überwiegender Expertenmeinung sollten Personen, die in den zurückliegenden sechs Monaten eine labordiagnostisch gesicherte Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht haben, zunächst jedoch nicht geimpft werden. 

Wie groß ist der Schutz nach der ersten Impfung?

Das Robert-Koch-Institut geht von einer Wirkung von bis zu 53 Prozent nach der ersten Dosis aus, nach der zweiten sind es 90 Prozent im Falle von AstraZeneca, 94 Prozent im Falle von Moderna und 95 Prozent bei BioNTech/Pfizer. 

Kann ich mich nach der Impfung noch infizieren und andere anstecken?

Das ist nicht abschließend geklärt. Obwohl es überwiegend darum geht, eine
Covid-19-Erkrankung zu vermeiden, ist es möglich, dass die Impfung weder die
Infektion noch die Übertragung von SARS-CoV-2 verhindern kann. Sicher ist, dass der Impfstoff die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Covid-19 um 94 bzw. 95 Prozent senkt. Im Falle des AstraZeneca-Impfstoffes sind es 90 Prozent.

Muss ich mich nach der Impfung noch regelmäßig Schnelltests unterziehen?

Ja, da wie im vorhergegangenen Punkt erwähnt noch nicht abschließend geklärt ist, ob eine geimpfte Person infektiös ist oder nicht. Zudem sollten auch geimpfte Menschen die allgemein gültigen Hygieneregeln weiterhin beachten und auch weiterhin Masken tragen.

Können die Schnelltests wegen der Impfung plötzlich ein positives Ergebnis liefern?

Da fast alle in Deutschland eingesetzten Antigentests auf dem Nachweis eines anderen Proteins, dem Nucleocapsid-Protein (N-Protein), basieren, ist nicht davon auszugehen. Da Antigentests also ein anderes Virusprotein nachweisen als das bei der mRNA-Impfung gebildete, ist laut RKI ein Einfluss einer Impfung auf das Antigentestergebnis nicht gegeben.

Treten nach einer Impfung positive Antigentests auf, könnten folgende Ursachen zu Grunde liegen:

  • Die Person, die geimpft wurde, könnte bereits vor der Impfung infiziert gewesen sein. Die mittlere Inkubationszeit bei COVID-19 beträgt 5-6 Tage.
  • Die Person, die geimpft wurde, könnte sich kurz nach Impfung angesteckt haben. Eine Wirkung der Impfung tritt in der Regel 10-14 Tage nach Applikation der 1. Impfstoffdosis ein.
  • Da die mRNA-Impfung keinen hundertprozentigen Schutz garantieren kann, ist es auch möglich, dass sich eine Person trotz Impfung infiziert; in der Regel verläuft die Erkrankung dann mit milderen Symptomen oder sogar asymptomatisch.
  • Der Antigentest kann falsch positiv sein.

Ich bin nach der Grippeimpfung an Grippe erkrankt? Bekomme ich nach der Impfung Corona?

Nein, zumindest nicht wegen des Impfstoffes. Bei beiden Produkten wird nur eine Bauanleitung des Erregers injiziert. Auf dieser Grundlage stellen die Körperzellen das Virusprotein her. Gegen dieses entwickelt der Körper seine Immunantwort.

Resi Kirchner wohnt in Colbitz. Sie war dort die erste Bewohnerin, die mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer geimpft wurde. Fotos: Katharina Hannemann

Wie ist der Impfstoff hergestellt?

Bei den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna handelt es sich um synthetisch hergestellte Impfstoffe.

Der Impfstoff von AstraZeneca basiert auf einer abgeschwächten Variante eines Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt. Dieses sogenannte Vektorvirus wurde genetisch so verändert, dass es beim Menschen eine Immunabwehr gegen das Coronavirus erzeugt.

Laut einer Erklärung der britischen Regierung sind in dem BioNTech-Vakzin keinerlei Bestandteile tierischem Ursprungs enthalten. Tests an Tieren können jedoch nicht für alle künftigen Produkte ausgeschlossen werden. Das betont auch Peta UK. Gleiches gilt für den Impfstoff von AstraZeneca.

Greift der Impfstoff in meine DNA ein?

Ganz klares Nein. Es besteht keine Gefahr einer Integration von mRNA in das humane Genom. Beim Menschen befindet sich das Genom in Form von DNA im Zellkern. Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Strukturen nicht möglich.

Auch jener von AstraZeneca greift nicht auf die DNA des Menschen zu.

Warum war der mRNA-Impfstoff so schnell verfügbar?

Seit Anfang 2020 haben zahlreiche Unternehmen und Labore an einem Impfstoff geforscht. Durch die Bereitstellung großer finanzieller Mittel und personeller Ressourcen ging die Entwicklung so schnell. Zudem wurden die klinischen Studien parallel durchgeführt und bereits in dieser Phase Daten an die Zulassungsbehörden übermittelt. 

Außerdem waren viele Grundlagen zur Herstellung dieser Impfungen dank jahrelanger Forschung schon vorhanden. Beispielsweise haben Andrew Fire und Craig Mello für ihre Arbeit an der Grundlagenforschung der RNA-Technologie im Jahr 2006 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhalten. 

Die RNA-Technologie hat es zudem ermöglicht, die Impfung schneller herzustellen als bislang, weil nicht mehr Millionen Hühnereier als Nährboden benutzt werden müssen.

Wie sicher ist mein negativer Antigen-Schnelltest?

Ziemlich sicher. Die Antigen-Schnelltests müssen in der Sensitivität bei 80 und in der Spezifität bei 97 Prozent liegen. Das heißt, das 80 von 100 positiven Proben als solche erkannt werden müssen und nur drei von 100 Gesunden Probanden falsch als infiziert angezeigt werden. Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion somit sehr wahrscheinlich aus. Zu 100 Prozent sicher ist er aber nicht.

Hinweis: Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Diese Version stammt vom 5. Februar 2021.